Filmprogramm zur Ausstellung »Die Keramikwerkstatt von Wilfriede Maaẞ«
Kuratiert von Claus Löser
Film Still (Detail): Cornelia Schleime, Das Nierenbett, DDR 1983
Freitag, 28.08.2026, 18-22 Uhr
Im Rahmen der Ausstellung Die Keramikwerkstatt von Wilfriede Maaß hat Autor, Kurator und Filmhistoriker Claus Löser vier Kurzfilme aus der ersten Hälfte der 1980er-Jahre zusammengestellt, die im Umfeld der DDR-Subkultur entstanden sind und direkt oder indirekt mit der Werkstatt korrespondieren.
Strukturen und Film - Strukturen I (Christine Schlegel, DDR 1985, 11 min)
Das Nierenbett (Cornelia Schleime, DDR 1983, 12 min)
here comes the sun (Helge Leiberg, DDR 1982, 18 min)
Ein Zeichen sind wir, deutungslos, und haben die Sprache in der Fremde verloren (Gino Hahnemann, DDR 1984, 19 min)
Gesamtlänge: 60 Minuten
Ort: Open-Air-Kino / Amphitheater
Die Malerinnen Christine Schlegel (*1950 in Crossen/Sachsen) und Cornelia Schleime (*1953 in Ost-Berlin) gehörten zu jenen Künstlerinnen, die von Wilfriede Maaß eingeladen wurden, bei ihr Keramiken zu bemalen und diese auch dort brennen zu lassen. Beide Künstlerinnen hatten vorher an der Dresdner Kunsthochschule studiert, sich dort kennengelernt und waren parallel dazu in teils sich überschneidenden Freundeskreisen in der staatsfernen Kultur aktiv. Schlegels zeit- und materialintensive Collage Strukturen und Film - Strukturen I entstand 1985 aus der Zusammenarbeit mit Lothar Fiedler und Hans-Joachim Noack von der „Dresdner Musikbrigade“ sowie mit der legendären Tänzerin Fine Kwiatkowski. In Schleimes Das Nierenbett (1983) kreist das Geschehen um bruchstückhafte Handlungen von maskierten Darstellern mit ritualisiert anmutenden Bewegungen; sie selbst nannte das Werk einen „Zettelkasten für Bilder“. Der Dresdner Maler und Musiker Helge Leiberg war ebenfalls in Ost-Berlin aktiv, auch er nutzte dort die Keramik-Werkstatt für die Herstellung bemalter Keramiken. Sein phasenweise an Arbeiten des (in der DDR gänzlich unbekannten) Film-Avantgardisten Len Lye erinnerndes Super-8-Experiment here comes the sun wurde 1982 zu Teilen im räumlichen Umfeld der Schönfließer Straße 21 in Ost-Berlin gedreht. Mit dem rätselhaften, auf Friedrich Hölderlin Bezug nehmenden Werk Ein Zeichen sind wir, deutungslos, und haben die Sprache in der Fremde verloren begab sich Gino Hahnemann 1985 direkt in die Werkstatt und erkundete diese mit der Kamera bis in den Brennofen hinein.