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Award Ceremony for Kito Nedo for the Exhibition “Wohnkomplex”
Photo: Lee Everett Thieler
Thursday, April 16, 2026
7 PM
The Justus Bier Preis for Curators, worth €5,000—awarded for the seventeenth time since 2009—goes to Kito Nedo.
He is being honored for the exhibition project and publication
“Wohnkomplex. Art and Life in Plattenbau”
September 6, 2025 – February 8, 2026
DAS MINSK Kunsthaus in Potsdam
Following the award ceremony and a laudatio speach by the jury chair, Prof. Dr. Stephan Berg, curator and critic, there will be a talk with the award winner, Kito Nedo, and jury member Hilke Wagner, Director of the Albertinum at the Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.
The event is open to the public. Please register:
Kito Nedo wurde 1975 in Leipzig geboren. Er studierte Kulturwissenschaften, Neuere und Neueste Geschichte sowie Publizistik in Leipzig, Berlin und London. Seit 2006 arbeitet er als freier Journalist, Autor und Kritiker für verschiedene deutschsprachige und internationale Medien. Seine Artikel zu den Themenfeldern Kunst, Kunstmarkt und Kulturpolitik erschienen unter anderem in der Süddeutschen Zeitung, taz – Die Tageszeitung, Artforum, Art – Das Kunstmagazin und Monopol Online. 2017 wurde er mit dem ADKV-Art-Cologne-Preis für Kunstkritik ausgezeichnet. Von 2019 bis 2022 war er als Contributing Editor für das frieze Magazine tätig. Seit Ende 2024 arbeitet er als freier Redakteur für die Kulturprojekte Berlin. Kito Nedo ist der Autor zahlreicher monografischer Katalogbeiträge zur zeitgenössischen Kunst, er schrieb unter anderem über Robert Lippok, Henrike Naumann, Eberhard Havekost oder Albert Oehlen. »Wohnkomplex. Kunst und Leben im Plattenbau« war seine erste größere thematische Ausstellung. Er lebt in Basel und Berlin.
Die Ausstellung „Wohnkomplex. Kunst und Leben im Plattenbau“ im MINSK Kunsthaus in Potsdam, kuratiert von Kito Nedo, überzeugt durch ihre kuratorische Konzeption, historische Tiefenschärfe und gesellschaftliche Aktualität. Sie widmet sich dem ostdeutschen Plattenbau nicht als nostalgischem Relikt oder sozialhistorischer Randnotiz, sondern als ambivalentem Erbe der Moderne – und damit als Schlüsselthema gegenwärtiger Debatten um Wohnen, Gemeinschaft und soziale Verantwortung.
Der programmatische Titel „Wohnkomplex“ entfaltet eine produktive Doppelbedeutung: Er verweist zugleich auf die architektonische Typologie wie auf die sozialen, politischen und emotionalen Verflechtungen des Wohnens. Die Ausstellung macht sichtbar, dass der Wohnungsbau der DDR Teil einer internationalen Moderne war – getragen von dem Anspruch auf soziale Gleichheit, kollektive Fürsorge und Fortschritt, zugleich aber geprägt von Normierung, Kontrolle und strukturellen Widersprüchen. Der Plattenbau erscheint hier weder verklärt noch pauschal delegitimiert, sondern als historisch gewachsenes Projekt mit offenen, bis heute wirksamen Fragen.
Besonders hervorzuheben ist die außerordentliche Qualität und überraschende Vielfalt der künstlerischen Arbeiten, die historische DDR-Positionen mit zeitgenössischer Kunst auf Augenhöhe zusammenführen. Die Ausstellung versammelt Werke u. a. von Karl-Heinz Adler, Sibylle Bergemann, Kurt Dornis, Markus Draper, Wolfram Ebersbach, Nina Fischer & Maroan el Sani, Seiichi Furuya, Peter Herrmann, Sebastian Jung, Harald Metzkes, Sabine Moritz, Henrike Naumann, Manfred Pernice, Uwe Pfeifer, Sonya Schönberger, Nathalie Valeska Schüler, Wenke Seemann, Robert Seidel, Christian Thoelke, Stephen Willats, Ruth Wolf-Rehfeldt. Die Werke der genannten Künstlerinnen und Künstler fungieren dabei – dies ist hervorzuheben – nicht als illustrative Belege, sondern als eigenständige und vielstimmige Reflexions- und Resonanzräume unterschiedlicher Erfahrungen. So eröffnen sie dem Publikum vielfältige Perspektiven. Sie verhandeln die Wohnung, das Haus und die Großwohnsiedlung als Orte von Gesellschaft und Isolation, als Räume staatlicher Fürsorge, Planung und Kontrolle, ebenso wie als Feld individueller Aneignung, Erinnerung und Widerständigkeit. Die Verschränkung von Fotografie, Malerei, Installation, und Film erzeugt ein vielstimmiges Narrativ, das individuelle Erfahrungen mit strukturellen Bedingungen verbindet.
Eine besondere Stärke der Ausstellung liegt in der Einbindung des Ausstellungsortes selbst. DAS MINSK – ein ehemaliges DDR-Terrassenrestaurant – wird nicht als neutrale Hülle verstanden, sondern als historisch aufgeladener Resonanzraum. Architektur, Ausstellung und kuratorisches Narrativ greifen in der von der Kooperative für Darstellungspolitik entwickelten Schau präzise ineinander und machen Geschichte räumlich erfahrbar.
Flankiert wird das Projekt durch eine von Lamm & Kirch gestaltete Publikation im Distanz Verlag, redaktionell betreut durch Kevin Hanschke und Ulrike Techert, die den konzeptionellen Anspruch der Ausstellung auf überzeugende Weise fortschreibt. Der Band überzeugt durch gestalterische Klarheit, inhaltliche Tiefe und die sorgfältige Verbindung von Bild, Text und Kontextualisierung – und etabliert „Wohnkomplex“ nachhaltig als Referenzprojekt über die Laufzeit der Ausstellung hinaus.
„Wohnkomplex“ entfaltet seine besondere Relevanz im Spannungsfeld von Vergangenheit und Gegenwart. Angesichts aktueller Wohnungsnot, Gentrifizierungsprozesse und sozialer Spaltung öffnet die Ausstellung den Blick für historische Erfahrungen und unvollendete Potenziale kollektiven Wohnens, ohne einfache Antworten zu liefern.
Mit „Wohnkomplex“ legt Kito Nedo eine Ausstellung vor, die historische Analyse, künstlerische Qualität und gesellschaftliche Verantwortung verbindet. Sie steht damit in besonderem Maße für die kuratorischen Werte, die der Justus-Bier-Preis auszeichnen.
Der JUSTUS BIER PREIS für Kurator:innen
Der mit 5.000 € dotierte Justus Bier Preis wird jährlich verliehen. Er wird getragen von der Helga Pape-Stiftung Jens und Helga Howaldt, Hannover.
Mit ihm sollen fachlich und sprachlich herausragende Publikationen in Zusammenhang mit Austellungsprojekten aus dem deutschsprachigen Raum ausgezeichnet werden, die sich mit der bildenden Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts befassen. Eine vergleichbare Auszeichnung für kuratorische Leistungen gab es zuvor nicht.
Die Stifter des Preises wie auch die Jury sind der Auffassung, dass die Arbeit von Kurator:innen mehr Aufmerksamkeit verdient, als das heute der Fall ist. Schließlich ist die sprachliche und fachliche Auseinandersetzung zwischen Kunst und Kurator:in eine der Grundlagen der Arbeit, die in Museum und Ausstellungshaus geleistet wird.
Der Preis geht zurück auf eine Anregung von Dr. Carl Haenlein, Direktor der Kestner Gesellschaft Hannover von 1974 bis 2002.
Die bisherigen Preisträger:innen
2009: Christiane Meyer-Stoll, als Herausgeberin des Katalogs der Sammlung Rolf Ricke sammlungrolfricke einzeitdokument, Kunstmuseum Liechtenstein.
2010: Dr. Markus Heinzelmann und Doreen Mende für ihr Projekt Candida Höfer Projects done, Museum Morsbroich, Leverkusen.
2011: Roland Nachtigäller mit Friederike Fast, Michael Kröger und Markus Richter für ihr Projekt und den Katalog “Wir sind alle Astronauten”: Universum Richard Buckminster Fuller im Spiegel zeitgenössischer Kunst, MARTA Herford.
2012: Ralf Beil und Peter Kraut, Bern, für ihr Projekt und den Katalog A House full of Music Strategien in Musik und Kunst, Institut Mathildenhöhe Darmstadt.
2013: Johan Holten und Friedrich Meschede für das Projekt und den Ausstellungskatalog Auf Zeit – Was hinter dem Putz steckt. Staatliche Kunsthalle Baden-Baden bzw. Auf Zeit. Wandbilder – Bildwände Kunsthalle Bielefeld.
2014: Bogomir Ecker, Raimund Kummer, Friedemann Malsch und Herbert Molderings für das Projekt und den Ausstellungskatalog Lens based Sculpture, Akademie der Künste, Berlin; Kunstmuseum Liechtenstein.
2015: Stephanie Weber für das Projekt und den Katalog: Lea Lublin: Retrospective, Städtische Galerie im Lenbachhaus München.
2016: Inge Herold und Karoline Hille für das Projekt und den Ausstellungskatalog: Hannah Höch – Revolutionärin der Kunst. Das Werk nach 1945, Kunsthalle Mannheim, anschließend: Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr.
2017: Andreas Beitin, Brigitte Franzen und Holger Otten für das Projekt und den Ausstellungskatalog: Mies van der Rohe: Montage Collage, Ludwig Forum Aachen.
2018: Inke Arns, Igor Chubarov und Sylvia Sasse für das Projekt und die Publikation: Sturm auf den Winterpalast – Forensik eines Bildes, Hartware MedienKunstVerein im Dortmunder U
2019: Friederike Voßkamp und Jürgen Pech für das Projekt und die Publikation: Ruth Marten - Dream Lover, Max-Ernst Museum Brühl des LVR.
2020: Ute Stuffer und Axel Heil für das Projekt und die Publikation: Mondjäger. Nathalie Djurberg & Hans Berg und Asger Jorn, Kunstmuseum Ravensburg.
2021: Annabelle Görgen-Lammers für das Projekt und die Publikation TOYEN, Hamburger Kunsthalle
2022: Britta Buhlmann und Annette Reich für das Projekt und die Publikation: Hans Hofmann: Chimbote 1950 – Farben für die Neue Stadt, Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern
2023: Nora Lukács und Melanie Romiguiére, plus Team: If the Berlin Wind Blows my Flag. Kunst und Institutionalisierung vor dem Mauerfall, Neuer Berliner Kunstverein und Berliner Künstlerprogramm des DAAD.
2024: Anke Blümm, Elizabeth Otto und Patrick Rössler: Bauhaus und Nationalsozialismus Eine Ausstellung in drei Teilen: Museum Neues Weimar, Bauhaus Museum, Schiller Museum, Weimar
Die Jury
Prof. Dr. Stephan Berg, Kurator und Kritiker (Vorsitzender der Jury seit 2015)
Lars Brandt, Schriftsteller, Bonn
Hilke Wagner: Direktorin Albertinum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
Prof. Thomas Wagner, Kritiker, Heppenheim/Bergstraße
Prof. Thomas Weski, Kurator, Berlin
Justus Bier (1899 Nürnberg bis 1990 Raleigh, NC)
Justus Bier (1899 – 1990) war von 1930 bis 1936 Direktor der Kestner Gesellschaft in Hannover. Da Justus Bier Jude war, sind seine Entlassung und der Abbruch seines konsequent der modernen Kunst gewidmeten Programms immer wieder durch die Nazis gefordert worden.
Jedoch hat Justus Bier weder sein Programm geändert, noch wurde er vom Vorstand der Kestner Gesellschaft abberufen. Im Zusammenhang mit seiner Franz Marc Ausstellung im Jahre 1936 wurde das Institut durch die Gestapo geschlossen.
Nach der gelungenen Emigration in die USA übernahm Justus Bier eine Professur für Kunstgeschichte an der University of Louisville, Kentucky. 1961 wurde er Leiter des Allan R. Hite Art Institute und dann Direktor des Museums in Ralleigh, North Carolina.
Justus Bier zeichnete sich einerseits durch seinen Einsatz für die moderne Kunst aus - 1935 zeigte er noch in der Kestner Gesellschaft Emil Nolde, August Macke und Erich Heckel. Franz Marc folgte 1936. Andererseits bewies er durch seine Forschungen zu Tilman Riemenschneider und Veit Stoß ein tiefes Verständnis für die Geschichte der Kunst. Bis auf den heutigen Tag sind seine Arbeiten über Riemenschneider Meilensteine der Forschung geblieben.
1930 - 1936 Direktor der Kestner Gesellschaft.
1937 - 1961 Professor für Kunstgeschichte an die University in Louisville, Kentucky, gleichzeitig Leiter des von ihm gegründeten Allen R. Hite Art Institute.
1953 - 1954 u.
1956 - 1957 Guggenheim-Fellowship.
1956 Gastprofessur an der Freien Universität Berlin.
1960 - 1961 Fulbright-Fellowship.
1962 -1970 Leiter des North Carolina Museum of Art, Raleigh, North Carolina.